Porz ist ein bunter Stadtbezirk. Trotzdem leben hier viele Menschen aneinander vorbei. Viele Menschen wünschen sich mehr Respekt, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass es vieles davon im Kleinen gibt. Unzählige Menschen haben sich spontan bereit erklärt, anderen zu helfen. Diese Solidarität und diesen Zusammenhalt will ich auch im Großen erreichen, für ganz Porz und Poll. Denn das ist die große Stärke von unseres Stadtbezirks: Die gemeinsame Identität, hinter der sich viele versammeln können.

Alle Nationen und Religionen

In Porz und Poll haben 44% der Bürgerinnen und Bürger eine Migrationsgeschichte. Das sind rund 50.000 Menschen. Im politischen Leben ist das kaum sichtbar: Weder Bürgerversammlungen noch Treffen von politischen Parteien erreichen auch nur annähernd diesen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Wird über ein neues Projekt gesprochen, sprechen meist nur einzelne Milieus mit. Es bringt aber nichts, wenn Politik unter sich bleibt. Es bringt auch nichts, nur abzuwarten und zu sagen, „Wir sind doch hier, sollen die doch kommen“. Das wird nicht passieren.

Stattdessen ist es die Pflicht von Politik, aktiv auf alle Menschen zuzugehen, auch mit Migrationshintergrund, sie einzubeziehen und ihre Anliegen zu hören. Das fällt mir vielleicht deshalb etwas leichter als anderen, da ich von einem Elternteil aus ebenfalls Migrationshintergrund habe. Ich will das Signal senden: Alle gehören selbstverständlich zu Porz.

In Porz leben viele Religionen zusammen. Statistisch erfasst werden nur die christlichen Konfessionen: 15% sind evangelisch, 35% katholisch. Die andere Hälfte der Porzerinnen und Porzer fällt statistisch unter „sonstige“ oder „keine Angabe“. Ich möchte den Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen, Perspektiven und Ideen fördern. Ein tolles Beispiel dafür ist das Projekt „Kinder Abrahams“, ein Arbeitskreis, in dem sich die Porzer Religionsgemeinschaften regelmäßig austauschen und gemeinsame Veranstaltungen planen.

Alle Generationen und Traditionen

Menschen in verschiedenen Altersgruppen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Gerade Jugendliche haben kaum Orte, an denen sie sich aufhalten können, an denen sie auch laut, vor allem aber unter sich sein können, ohne die Anwohner zu stören. Solche Orte sind immens wichtig. Gleichzeitig müssen wir bei allen Projekten an die Bedürfnisse älterer Menschen denken, an kurze Wege und an Barrierefreiheit, auch beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr.

Porz hat ein starkes Vereinsleben. Gerade was die vielen Karnevalsvereine Jahr für Jahr ehrenamtlich auf die Beine stellen, wie sie Menschen zusammenbringen, Traditionen bewahren und für Gemeinschaft sorgen, verdient hohen Respekt. Auch viele Schützen- und Sportvereine sind sehr aktiv und beeinflussen den Zusammenhalt im Stadtbezirk.

In den Vereinen sind viele Menschen ehrenamtlich aktiv, in der Organisation, im Training, in der Nachwuchsförderung. Sie leisten hervorragende Arbeit – im Zusammenleben, in der Integration, im menschlichen Miteinander. Sie erfüllen eine wichtige Funktion, sie sind der soziale Kitt in unserer Gesellschaft. Deshalb brauchen sie auch weiterhin nicht nur unsere Wertschätzung, sondern auch unsere Unterstützung und beste Bedingungen. Welche Bedürfnisse es gibt, finden wir am besten im Dialog heraus.

Alle Schichten und alle Engagierten

Auch die vermeintlich schwierigen Viertel gehören zu Porz. Finkenberg und die Glashüttenstraße sind Orte, auf die gerade wir als SPD in den letzten Jahren genauer geschaut haben. Seitdem ist dort einiges besser geworden, Spielgeräte repariert, dunkle Ecken beleuchtet, Büsche und Bäume zurückgeschnitten. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Mir geht es darum, deutlich zu machen: Auch vermeintliche Brennpunkte gehören dazu, dort leben tolle und engagierte Menschen, die es aber leider nicht gewöhnt sind, dass ihre Stimme wichtig ist und gehört wird. Alle, die sich abgehängt fühlen, müssen wir besser einbeziehen.

Das große Engagement ist ein wichtiges Plus für Porz. Vor allem Bürgervereine haben sich in den letzten Jahren lauter zu Wort gemeldet. Manche in der Politik sehen das als Konkurrenz. Wir nicht. Im Gegenteil: Wir brauchen sowohl Politik als auch starkes bürgerschaftliches Engagement, um die Ziele zu erreichen. Mit kluger Rollenverteilung und einem Umgang auf Augenhöhe können wir gemeinsam viel mehr für Porz und Poll erreichen als durch unproduktives Taktieren.

Fazit: Porz hat riesiges Potenzial, wenn die vielen unterschiedlichen Gruppen enger zusammen kommen und sich besser kennen lernen: Mehr Gemeinschaft, mehr Rücksicht, mehr gemeinsames Streiten für die Porzer und Poller Interessen. Daran werde ich als Bezirksbürgermeister arbeiten.